Der Jahreswechsel steht bevor. Man blickt zurück und blickt nach vorn. Ich denke in dieser Zeit gern an das Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, dessen letzter Vers so lautet:
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Es kommt immer wieder die Frage auf: Wozu braucht man das Spirituelle Gemeindemanagement? Welches Ziel wird mit ihm verfolgt? Ist es überhaupt nötigt? In seinem Buch „Spirituelles Gemeindemanagement“ beschreibt Hans Jürgen Abromeit 5 Standards für das Spirituelle Gemeindemanagement, speziell für die Ausbildung von Pfarrerinnen und Pfarrer. Ich haben diese einmal etwas umformuliert um anhand dieser Standards die Notwendigkeit des spirituellen Gemeindemanagement zu verdeutlichen.
Heute morgen habe ich einen sehr interessanten Artikel über Nachfolgeplanung bei den Unternehmen gelesen. Da stellen sich für mich folgende Fragen: Ist so etwas nicht auch interessant für die Gemeinde, besonders wenn darum geht die Kontinuität der Gemeindearbeit zu gewährleisten? Ist so etwas überhaupt bei einer Gemeinde machbar?
Ich fange einmal mit der Begriffsbestimmung, was Gemeinde ist, ganz nach meiner lutherischen Tradition an, nämlich mit der Confessio Augustana – dem Augsburgischen Bekenntnis. Da steht in Artikel 7:
VON DER KIRCHE
Es wird auch gelehrt, daß allezeit eine heilige, christliche Kirche sein und bleiben muß, die die Versammlung aller Gläubigen ist, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden. Denn das genügt zur wahren Einheit der christlichen Kirche, daß das Evangelium einträchtig im reinen Verständnis gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden. Und es ist nicht zur wahren Einheit der christlichen Kirche nötig, daß überall die gleichen, von den Menschen eingesetzten Zeremonien eingehalten werden, wie Paulus sagt: „Ein Leib und ein Geist, wie ihr berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ (Eph 4,4.5).
Als ich mich vor über 5 Jahren in meiner jetzigen Gemeinde vorstellte, hat man mich zwar etwas indiskret, aber dennoch keineswegs unberechtigt, nach meinem Gebetsleben gefragt. Gerade das ist doch die persönliche Basis für jegliches Gemeindemanagement, die geistliche Seite, das Angebundensein an Gott. Ohne die spirituelle Basis läuft nichts. Denn der Arbeitsalltag in der Gemeinde braucht diese Kraftquelle. Je länger ich Pfarrer bin umso bewusster wird das mir.
Ich denke schon, dass so vielfältig und breit auch das Aufgabenfeld des Gemeindemanagement ist, dieses sich umschreiben lässt. Natürlich steht immer im Vordergrund zuerst der pastorale Dienst mit der nach dem reformatorischen Verständnis Predigt im Mittelpunkt. Wo bei sich das Bild der Predigt unserer Gegenwart anpassen muss. Verkündigung ist heute nicht mehr die sonntägliche Kanzel allein, sondern heute gibt es vielfältige Formen und Möglichkeiten der Verkündigung. Die Palette ist groß.
Die Fragestellung ist zwar etwas provokant. Aber ehrlich kann ich mir gar nicht so richtig vorstellen, dass jemanden, der im Gemeindemanagement gravierende Fehler gemacht hat, in der gleichen Gemeinde noch eine zweite Chance gegeben wird. Oft ist da mindestens ein Gemeindewechsel erforderlich. Manchmal sind es auch die „Fehler“ der anderen, die zum Wechsel zwingen.
Pfarrer und Pfarrerinnen stehen irgendwie mit Kritik ständig auf der Abschussliste. Dem einen ist die Predigt nicht fromm genug, dem anderen sie nicht der Welt zugewandt. Einem Dritten macht man nicht genug Haus- und Geburtstagsbesuche. Bei einem Vierten wird die Lehre vernachlässigt, oder die Kinderarbeit oder die Jugendarbeit.
Nach dem Zeugnis des Neuen Testaments ist die Gemeinde nichts anderes als der heute lebendige Christus. Dieser lebt aus sich. Der lebendige Christus hängt nicht am Tropf der Kirchensteuer und der staatlichen Finanzierung. Die Gemeinde als lebendiger Christus hat nicht nur Kraft zur Selbsterhaltung, sondern setzt noch Mittel für andere frei.
Da wird in Zeit-Online ein Pfarrer in seinem Berufsbild als Seelsorger dargestellt. Das finde ich schon einmal recht spannend und gut. Zurecht finde ich die Kritik einer Kommentatorin, dass das Bild zu oberflächlich ist und, dass das eigentlich Christliche im Ganzen fehlt, auch dass Seelsorge nur eine Vorstufe der Therapie ist.
Der Artikel in Zeit-Online ist zwar eine Polemik. Doch er ist anderseits sehr nachdenkenswert. Und für mich stellt sich da auch die Frage: Inwieweit er nicht auch Impulse und Anfragen für den Bereich des Gemeindemanagement geben kann?
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